Living Spaces - Living Forms - Galerie
>>> [30. 04. 09 - 30. 05. 09] [a]
<Georg Frauenschuh, Gregor Graf, Maureen Kägi, Ernst Koslitsch, Peter Köllerer, Catherine Ludwig, Sissa Micheli, Fabian Patzak, Klaus Schuster, Christoph Srb und Timotheus Tomicek>




Georg Frauenschuh
stilsicher
Acryl auf Wand, 2009


Georg Frauenschuh schafft für einen Durchgangsraum der Galerie eine Wandmalerei, die durch ihre Situierung gegenüber einer Sitzgelegenheit Anklänge an das traditionelle Sofabild evoziert. Sie greift auf ein Bildrepertoire zurück, das man - durch die unterschiedlichsten Wohnungsausstatter vertrieben - im privaten Wohnraum überall wieder finden kann (Landschaftsbild, Aktdarstellung, Abstraktion). Durch diese massenproduzierte Austauschbarkeit wird jedoch zugleich ein Stück Anonymität in den privaten Raum des Wohnzimmers getragen. Über die Nüchternheit der Wandmalerei wird das Floskelhafte noch verstärkt und die drei Bilder, die trotz aller Beliebigkeit in einem genau bemessenen Verhältnis zueinander stehen, werden als stereotypisierte Bildformen des Interieurs erkennbar.



Gregor Graf
Nesting Site, 5-tlg., Lambdaprint, je 120 x 60 cm, 2005
head & quiet me, Tusche auf Karton auf Aluminium, 160 x 300 cm, 2006


In der fünfteiligen Fotoarbeit 'Nesting Site' wurden in die Wände eines leerstehenden und zum Abriss bestimmten Hauses mittels Hammer und Meißel Spuren früherer Möblierungen, Arrangements, Raum-Nutzungen etc. geschlagen: "Durch diese Art der Spurensicherung werden die Räume interpretiert und künstlerisch weiterentwickelt. Die Arbeiten sind das Resultat einer virtuellen Konstruktion und beschreiben eine mögliche fremde Vergangenheit." (Gregor Graf)
In 'head & quiet me', zusammengesetzt aus sechseckigen Kartonelementen, „wird eine Vorstadtsiedlung konstruiert, in der jede gut gepflegte Einheit einer perfekten Mimesis gleicht. (...) Jede Wabe bietet Platz für ein Grundstück, ein Haus und geheime Entfaltungsmöglichkeiten. Denn das Wesentliche liegt im Untergrund verborgen. Der Keller als persönlicher Auswuchs unter der Erdoberfläche, zeigt das im Dunkeln schlummernde Wesen der Besitzer. Was das sein könnte bleibt aber verborgen.“ (Gregor Graf)




Maureen Kägi
Platz 14, Platz 13
jeweils Mischtechnik auf Leinwand, 140 x 170 cm, 2009


Maureen Kägi bringt mittels Öl/Lack-Mischtechnik und Silbergelatine Momente urbaner Realitäten und moderner Lebensentwürfe auf die Leinwand. In den Überlagerungen, stürzenden Perspektiven und Verzerrungen treten neben realistischen Ausschnitten urbaner Architekturen (verfallene Industrieanlagen, Baustellen-Situationen, Autobahnbrücken, Durchfahrtstrecken etc.) auch abstraktere, vollkommen aus dem architektonischen Zusammenhang gerissene Versatzstücke eben dieser Orte, die nicht zum Verweilen, sondern zum schnellen Durchqueren auffordern. In den ineinander verlaufenden Bildebenen, zerronnenen Schichten und hie und da aufscheinenden Lichtreflexen bleiben die Stadtlandschaften flüchtig und wie aus der Entfernung erkennbar, verwehren jedoch eine detaillierte Betrachtung oder gar eine klare Raum-Konstruktion.




Ernst Koslitsch
...Ich lebe in einer Wohnung voller Häuser
Installation mit Barytprint auf Alu, 110 x 110 cm, 2007


Die Fotoserie und Installation 'Ich lebe in einer Wohnung voller Häuser' zeigt Häusermodelle hineingesetzt in eine Wohnumgebung und in auffälliger Positionierung gegenüber der dortigen Möblierung, auf Tischen oder einem Sofa stehend, von einer Lampe überragt etc. Diese Auseinandersetzung mit dem Thema Haus "hat etwas Wahres an sich, da es in meiner Wohnung, in der ich lebe, viele Modelle, Bücher über Architektur und Häuser, Bilder und Sammelstücke von Häusern gibt. In der Serie geht es darum, wie das Abbild dem Abgebildeten gegenübersteht" (Ernst Koslitsch), wie sich das Modell eines Wohnhauses wiederum in dessen Innerem, dem Wohnraum, verhält.




Peter Köllerer
We don‘t advertise
Installation, Diaschau, 2008


In der als Diaprojektion angelegten Arbeit ‚We don't advertise‘ setzt sich Peter Köllerer mit der Plakatserie ‚Plakatieren verboten!‘ auseinander, die im Frühjahr 2008 in Wien von einer Tochter der Firma GEWISTA geschaltet wurde. Diese argumentierte zur Verbesserung des Stadtbildes beizutragen, die Maßnahme zielte aber wohl eher darauf ab, die freie Plakatszene von ihren angestammten Flächen zu vertreiben und somit eine unliebsame Konkurrenz loszuwerden: "Mein Interesse an dieser Aktion hat sich vor allem an dem Umstand entzündet, dass hier in kaum zu überbietender Deutlichkeit das ‚kalte Blitzen der Macht‘ sichtbar wird: eine Sprache/ein Medium zu verbieten und eben dieses Medium für die Formulierung des Verbotes zu benutzen. Die Unverfrorenheit, mit der dieses Paradoxon übergangen wird, ist frappierend. Dass die visuelle Umsetzung dieser zynischen Demonstration die Ästhetik einer konzeptuellen künstlerischen Arbeit ausstrahlt, hat mich darüber hinaus fasziniert und irritiert." (Peter Köllerer)






Catherine Ludwig
Rot Weiß Rot (aus der Serie VT-Kulissen-Tryptichon)
Öl auf Holz, 100 x 150 cm, 2007/08
FARASI (aus der Serie VT-Kulissen-Dyptichon)
Öl auf Holz, 67 x 75 cm, 2008
FERNSEHEN (aus der Serie "VT-Kulissen-Dyptichon)
Öl auf Holz, 67 x 75 cm, 2008


In den Arbeiten Catherine Ludwigs stehen die Inszenierungsmechanismen und (Fake)Architekturen von Freizeiteinrichtungen und Erlebnisparks im Mittelpunkt. In den gemalten, selbst wie Kulissen funktionierenden und variabel im Raum installierten Bildern nimmt sie jedoch nicht die jeweiligen Hauptattraktionen ins Blickfeld, sondern eben gerade jene Landschaften, Architekturen und Bildwelten, die um diese herum als Kulissen dienen und eine eigene Welt simulieren sollen: „Was ist nun echt, was Kulisse, was eine Imitation oder Simulation? Stimulation durch Simulation? Das Aufgemalte, das aus Pappmaché Gebaute, das Modellhafte, das Ausgestopfte rückt in den Fokus und wird zum Eigenständigen, zum 'Original'. Die gemalte Abbildung der Nachahmung wird zum Original. (...). Ich inszeniere die Kulisse, das Modell, die Fakearchitektur.“ (Catherine Ludwig)





Sissa Micheli
memories in a flat
Video, 13:27 Min, 2007


In 'memories in a flat' durchwandert die Protagonistin in den Kleidern ihrer verstorbenen Großmutter deren Wohnung. Das Interieur, das durchwandert wird, sowie die Ästhetik der Handkamera lassen eine gewisse Privatheit und ein Gefühl der Teilhabe an dieser Aneignung der Wohnung und zugleich der Lebensgeschichte entstehen, die fragmentarischen Erzählungen über das Leben der verstorbenen Frau fallen zusammen mit einem fragmentarischen Erzählen der Bilder, der Fotografien und räumlichen Anordnungen des Interieurs. Das Wechselspiel von Geschichten, Fotografien und Filmbildern soll Erinnerungen eine, wenn auch nur flüchtige Form geben und niemals definitiv festschreiben: „So wie meine Geschichten sich in meinem Geist formieren und dann in realer Umgebung Gestalt annehmen, werden sie abermals neu in der Betrachtung durch andere erschaffen.“ (Sissa Micheli)





Fabian Patzak
Goldene Kegel I, Acryl auf Leinwand, 145 x 125 cm, 2008
Nelva Court, Acryl /Leinwand, 120 x 125 cm, 2008
Rooftop 2, Acryl /Lw, 75 x 75 cm, 2006


„Ich arbeite an einer Beziehung zu Lebensräumen, die das Erwarten von möglichen Geschehnissen festhalten. Meine Motive wähle ich aus urbanen Gebieten, Heimen, Lokalen, Hotels, Büros, Ateliers und Wohnungen. Diesem Verweilen begegne ich, in unterschiedlichen Rollen, mit unterschiedlichen Funktionen, Assoziationen und Emotionen. Indem ich meinen Blickwinkel auf solche Umgebungen malerisch umsetze, verdichte ich diese Empfindungen und verweise mit Bedacht auf eine Gesellschaft, die durch Antizipation unter Druck und Spannung gehalten wird. Dabei entstehen Szenarien, die Projektionsflächen für subjektive Realitäten sind.“ (Fabian Patzak)




Timotheus Tomicek
Friends
Leuchtkasten, 122 x 100 cm, 2008
territory
2 Leuchtkästen, je 18 x 25 cm, 2007


Timotheus Tomicek interessieren Kleinigkeiten, scheinbar Unscheinbares, einfache Gegebenheiten, die aber unter Umständen Aufschluss geben auch über Muster menschlicher Lebensformen. „Menschen hinterlassen Spuren in Form von Gegenständen. Durch analysieren dieser kann man Rückschlüsse auf die Menschen anstellen, ohne die Menschen selbst sehen zu müssen“ so Timotheus Tomicek. Ein Baumstumpf, ein Schlauchboot, eine Schaukel, ein Zaunstück, ein Weg, eine Lampe, ein Papierkorb – und dazwischen Bilder, auf denen dann doch hin und wieder auch Menschen zu sehen sind, einzeln oder in Gruppen; zu sehen gegeben werden in den Fotografien banale Dinge und alltägliche Situationen, die dennoch voll der Rätsel sind, Bilder, in die man „sich versenken kann, um darüber zu staunen, welche Welt aus ihnen auf nie zuvor gesehene Weise erscheint.“





Klaus Schuster
Christies, computeranimiertes Video, 1:60 Min, 2006/2007
Megaphon, computeranimiertes Video, 2:55 Min, 2005
ohne Titel, computeranimiertes Video, 2:30 Min, 2003


In den computer-generierten Videos von Klaus Schuster erscheinen niemals Menschen und die zu sehenden Gegenstände und Räume gerieren sich als Prototypen aus einem Design- oder Architekturstudio. In 'Megaphon' springt ein ebensolches wild durch einen fensterlosen Raum, der wie eine Gefängniszelle angelegt dieses einschließt und es an seiner eigentlichen Funktion der Lautverstärkung hindert, somit eine eigenartige und unerwartete Stille schafft. In 'ohne Titel' zieht die Kamera eine Modell-Reihenhaussiedlung entlang, ohne dass sich ein Ende dieser monotonen Uniformiertheit abzeichnen würde. Und in 'Christies' sind es zwar gerade die als Verbindung zwischen Innen und Außen fungierenden Drehtüren vor denen der Kamerablick hin und her schwankt, das Innere bleibt jedoch stets verschlossen, vielmehr wird erkennbar, dass auch im nächsten Raum wiederum eine unüberwindbare Drehtüre steht.




Christoph Srb
Kamera 1 - 7
Öl/Molino, je 70 x 80 cm, 2006


Überwachung und Überwachungsbilder besitzen inzwischen eine gewisse Normalität und Alltäglichkeit und sind aus dem öffentlichen Raum kaum noch wegzudenken. Videoüberwachung kann ob ihrer auffälligen Präsenz im Stadtraum nicht ignoriert werden. Sie stellt nicht nur ein Mittel der Kontrolle dar, sondern vor allem auch eines der Selbstkontrolle, indem sie die Beobachteten dazu animiert, sich auf die Situation des Beobachtet-Werdens einzustellen, mithin das eigene Verhalten anzupassen und dabei gleichzeitig zu versuchen die Kamera auszublenden. Dieses Beobachtungsinstrumentarium tritt nun in den Arbeiten Christoph Srbs in Form der Kameras selbst in Erscheinung, jedoch geben sie ihrerseits weder Aufschluss über ihr Innenleben noch über ein Hinter-der-Kamera.



 

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